Titel: SMokeyS

Thema: Rauchen

Medium: gebastelte Installation

Am Ende der Jurysitzung waren wir uns ziemlich einig, dass in diesem Jahr die Punkte ganz andere Ergebnisse hervorbrachten, als wir im ersten Moment vermutet hätten. Wir waren manchmal selbst ganz schon erstaunt über die Summe der Punkte. Und ich kann mir vorstellen, dass sich auch unter euch jetzt gleich Verwunderung breit machen wird.

 

Viel wichtiger aber ist, dass der erste Platz noch etwas wichtiges verrät: es muss nicht immer ein Film sein, der bis ganz nach vorne kommt. Und damit stehen nur noch zwei zur Auswahl.

 

Er erhielt in der Kategorie 26, 27, 13, 12, 7 Punkte. Er ging mit insgesamt 85 Punkten an die Klasse F7/8 der St. Martin Schule in Riedenberg

 

Zugegeben, wenn man die aus Pappkarton gestaltete überdimensionale Zigarettenschachtel zum ersten Mal sieht, dann fällt schon ins Auge, dass jeder Transport und jede weitere Bewegung sie leicht verunstalten können. Sie zeugt von einem handgemachten Charme und lässt Zweifel an der Stabilität aufkommen. Ich weiß nicht einmal, ob sie den heutigen Abend noch zuverlässig überlebt. Obwohl sich das Projekt auf dem ersten Platz befindet, konnte es in der Kategorie 3 die wenigstens Punkte unter den drei Gewinnern sammeln. Genau das aber dürfte schon der erste Hinweis darauf sein, dass die Punkte in einer anderen Kategorie gesammelt worden sein müssen. Und die wollen wir betrachten.

 

Betrachten wir die grundsätzliche Idee einmal losgelöst von der qualitativen Ausarbeitung: Wir wollen uns vorstellen, dass wir durch eine öffentliche Fläche laufen, vielleicht durch eine Fußgängerzone, eine Einkaufspassage, einen Bahnhof. Und plötzlich stünde eine gut ausgearbeitete, glänzende und zugleich stabile Zigarettenschachtel mit genau diesen Maßen, diesem Aussehen und diesem Inhalt vor uns. Was würde diese Zigarettenschachtel mit uns machen? Die Jury war sich einige. Sie würde unsere Blicke auf sich ziehen. Wir würden vielleicht kurz stehen bleiben und der Frage nachgehen, was das Ding jetzt soll. Und damit wäre unsere Neugier geweckt. Spätestens in dem Moment, in dem wir entdecken, dass man sie auch öffnen kann, wüssten wir auch, dass das keine alltägliche Zigarettenwerbung sein kann. Also würden wir – sofern wir Zeit hätten – näher kommen und sie uns ansehen.

 

Alleine der Name SMokeyS würde uns schon verraten, dass es sich um eine Verallgemeinerung handelt, nicht um eine Marke. Schon schnell wird dem Betrachter klar, dass uns die Schachtel etwas mitteilen möchte. Wir wissen aber nicht was. Aus der anfänglichen Neugier wird jetzt Interesse. Wir wollen mehr wissen. Und das ist gut, denn so funktioniert auch professionell gemachte Werbung.

 

In einem zweiten Schritt entdecken wir die Handlungsanleitung: „Öffne mich“ steht dort. Und ein weiterer Hinweis verrat uns, dass wir hier erfahren können, was Zigaretten aus dem Körper des Rauchers machen können.

 

Wenn wir die Schachtel öffnen werden wir mit einer sehr schlichten, leicht überblickbaren und auf das wesentlichen reduzierten Botschaft empfangen. Wir entdecken Sie zunächst einmal plastisch. Schwarze Körperteile zwängen sich dem Betrachter auf. Der Anblick ist alles andere als schön. Das ist gut, denn selbst wer nicht lesen kann, versteht diese Botschaft. „Meine Lunge ist schwarz wie Teer“, ergänzt ein Text für Leser, „mein Herz wird nicht mehr richtig durchblutet, muss mehr arbeiten und hat sich stark vergrößert“. Gut versteckt lässt sich darin ein Vorwurf erkennen: „Was tust Du mir, deinem Körper, an?“

 

Links an der Tür können wir im Kontrast dazu eine gesunde Lunge und ein gesundes Herz angedeutet entdecken. Genau diese Schlichtheit der Botschaft lässt sich gut einprägen. Jeder der Jury wusste auch am Ende der Sitzung noch genau, was sich in dieser Zigarettenschachtel befindet. Und gerade bei den Schülern in der Jury hatte dies auch seine Wirkung hinterlassen. Spannend in diesem Zusammenhang war auch zu beobachten, dass die drei Schüler mit ihren deutlich höheren Punkten dieses Projekt auf den ersten Platz hoben. Das ist gut, denn für Schüler soll dieser Wettbewerb auch ausgelegt sein.

 

Auf der Rückseite der Schachtel finden wir weitere Informationen zum Rauchen. Da gibt es Zahlen über enthaltene Inhaltsstoffe, die Kosten, die Gefahr zu erkranken. Wir erfahren etwas über Shisha- und Passivrauchen. Die weiteren Botschaften und Bilder beziehen sich überwiegend auf das Passivrauchen selbst. Sie sind einfach gehalten, sie sind eindeutig erkennbar von Kindern oder jungen Jugendlichen gestaltet. Und genau das wiederum beeindruckt den erwachsenen Betrachter, denn es wird deutlich, wie wichtig den Kindern offenbar das Thema Passivrauchen ist. Und wir bekommen eine Ahnung, dass sie vielleicht aus ihrem Lebensumfeld erzählen, in dem sie damit ungewollt und ungefragt konfrontiert werden. Und wieder versteckt sich ein kleiner Vorwurf: „Denkst Du auch an mich, dein Kind, wenn Du zuhause rauschst?“

 

Wer von alle dem noch nicht genug hat, der kann sich auch von den Bildern über Raucherzähne abschrecken lassen. Was für uns Erwachsene oft gar keine abschreckende Wirkung mehr hat, scheint bei Kindern ganz anders zu sein.

 

Das durfte ich selbst einige Tage erleben. Die Jurysitzung fand nämlich bei mir daheim im Wohnzimmer statt. Und da stand natürlich auch diese Schachtel: drei Tage lang. Und drei Tage lang haben mich meine Kinder genervt: „Papa, tue endlich die Schachtel hier weg. Die macht uns Angst.“ Spätestens an dieser Stelle war mir klar, dass die einfachen Botschaften der Bilder und der Körperteile bei jüngeren eine starke Wirkung hinterlassen.

 

Darüber hinaus habt ihr eure Schachtel noch mit einer kleinen Raffinesse verstehen. Ihr stellt dort die Frage, wie viele Menschen täglich an den Folgen des Rauchens in Deutschland sterben. Aber ihr macht es geschickt, denn ihr versteckt die Antwort in einem Strichcode und schafft es so, den Betrachter dazu zu bringen, sein Handy für einen Scan heraus zu holen. Und schon haben wir uns wieder etwas länger mit der Schachtel beschäftigt.

 

Liebe Klasse F7/8, ihr habt uns in diesem Jahr wieder einmal gezeigt, dass man Prävention auch mit ganz einfachen Mitteln betreiben kann. Mit einer simplen Schachtel, die man überall hin stellen kann, für die man keine Zusatzgeräte wie Monitore, Computer oder Beamer benötigt und die ganz von alleine um Aufmerksamkeit wirbt. Und ihre habt uns mal wieder gezeigt, dass man diesen LUTSCH-Wettbewerb auch dann gewinnen kann, wenn man keinen Film gemacht hat und egal von welcher Schule ihr kommt.

 

Und jetzt wäre es natürlich schön, wenn wir diese Schachtel in ordentlicher Qualität nachbauen würden und ihre Wirkung einmal wirklich testen könnten. In irgendeiner Fußgängerzone, mit versteckter Kamera.

 

Herzlichen Glückwunsch an die Klasse F7/8 der St. Martin Schule in Riedenberg.

   
© AK Prävention