Titel: 75 Ideen (für eine coole Freizeit)

Thema: Freizeitgestaltung

Medium: Film

 

Das Schwerpunktthema unseres Wettbewerbs hieß diesmal "Deine Freizeit ohne Drogen". Natürlich haben wir uns gewünscht, dass Schüler diesen Satz aufgreifen und uns Freizeit ohne Drogen auch aufzeigen. Das ist auf sehr unterschiedliche Weise geschehen, ein Beitrag macht das aber auf eine ganz eigene Art.

 

Dieser Beitrag erhielt 24 22 15 13 12, 86 Punkte. Mit insgesamt 85 Punkten geht der zweite Preis an die Film AG der Mittelschule Bad Brückenau.

 

Der zweite Platz wurde von einer kleinen Filmgruppe produziert. Entsprechend muss er auch mit relativ wenigen Schauspielern zurechtkommen. Trotzdem gelingt der Gruppe ihre Aufgabe. Und das auf eine besondere Weise.

 

Spannend dabei ist, dass sich der Film selbst nicht ganz ernst nimmt. Schon die Anfangsszene beginnt völlig unrealistisch. Da sitzen zwei Mädchen auf einer Art Treppe und langweilen sich. Wie aus dem Nichts kommt eine dritte dazu und meint, dass das nicht sein müsste. Es erinnert ein wenig an belehrende Fernsehwerbung.

Und trotzdem enthält schon diese erste Szene ein Schlüsselproblem mancher Menschen. Nachdem das eine Mädchen sagt, dass ihr langweilig ist, antwortet die andere: „ist so.“ Und es klingt so, als könnte man daran überhaupt nichts ändern. Tatsächlich empfinden manche Menschen es so. Dabei könnte man so viel tun, wenn man nur darauf käme.

 

Und dass wir darauf kommen, dazu will uns der Film verhelfen. Innerhalb von knapp zwei Minuten zeigt er uns 75 Beispiele auf, was wir in unserer Freizeit alles machen können. Darunter finden sich Klassiker, wie Sport oder Musik machen, lesen, malen, basteln, telefonieren oder mit Freunden chillen.

 

Schnell wird aber klar, dass sich unter den vielen Ideen auch Vorschläge befinden, die man mit Freizeit nicht zwingend in Verbindung bringt, die aber unsere Zeit trotzdem ausfüllen können und die am Ende eine Zufriedenheit erzeugen können. Kochen und Backen (das Ei – platsch – buff) beispielsweise. Oder Putzen. Es soll ja Menschen geben, die gerne Putzen. Ich gehöre da definitiv nicht dazu, aber auch ich freue mich, wenn ich die Sache hinter mir habe. Deshalb sind diese Vorschläge durchaus passend.

 

Aber wie verhält es sich eigentlich mit dem Vorschlag, am Boden zu robben, eine Kerze anzuzünden oder Ente Lucy zu jagen? Doofe Idee? Nein, eigentlich genial.

 

Auch wenn man den einen oder anderen Vorschlag wirklich nicht ernst nehmen muss, so zeigt er uns doch etwas ganz besonderes. Er verrät uns, dass wir uns für unsere Freizeit nicht nur an vordefinierten Dingen oder uralten Vorschlägen orientieren müssen, sondern dass wir einfach auch mal herumspinnen dürfen. Deutlich ist dem Film anzumerken, welchen Spaß die Macher dabei gehabt haben dürften, einfach auch mal Quatsch zu machen und sich dabei kaputt zu lachen.

 

Der Film erinnert mich an eine Party aus meiner eigenen Jugendzeit. Irgendjemand hatte damals mit den Fingern im Takt auf dem Tisch getrommelt. Und plötzlich hatte ein zweiter damit begonnen, den Takt durch Klopfen an ein Glas zu ergänzen. Es entstand ein eigener Rhythmus, der von immer mehr Gästen begleitet wurde. Jemand schlug Flaschen aneinander, einer Topfdeckel, ein weiterer ging mit dem Kochlöffel über die Heizung. So entstand minutenlang eine ganz eigene Musik, die vermutlich auch heute noch jedem Teilnehmer in Erinnerung sein dürfte. Wir wollten es wiederholen, aber es ging nicht. Man kann Spontaneität nicht planen, man muss sie geschehen lassen.

 

Und genau das zeigt uns der Film. Manche Dinge müssen entstehen und man muss sie zulassen. Der Vorschlag eine Ente zu jagen wird wohl kaum auf Begeisterung stoßen, aber wenn es passiert, dann kann es super lustig sein. Genauso wenig wird es uns begeistern, wenn wir vereinbaren Angeln an einer Pfütze zu spielen. Aber wenn es passiert, dann lachen wir. Und genau das gelingt dem Film, uns zu vermitteln.

 

Dass im Film manchmal ein Vorschlag auf den anderen aufbaut gibt dem Film nochmals einen Höhepunkt. So sehen wir erst die Mädchen die Wand blau anmalen, später nutzen sie dieselbe Wand um Tauchen vorzuspielen. In einer anderen Szene wünscht sich ein Mädchen Kakao, in einer anderen trinken sie denselben.

 

Und ein weiterer Aspekt begeistert: es ist das nicht ganz so flüssige Deutsch der einen Sprecherin. Sie hätte sich drücken können beim Vertonen, aber nein, sie zeigt uns, dass es manchmal auch Mühe braucht um Dinge zu tun. Und dass man nicht der beste darin sein muss. Wir können das auch auf die Freizeit übertragen. Auch dann, wenn jemand anders vielleicht besser beispielsweise Klavier spielen kann, warum sollten wir es nicht trotzdem tun. Einfach nur, damit wer es getan haben.

 

Der wichtigste Satz steht aber am Ende des Films: „Und? Was fällt Dir noch ein?“. Der Zuschauer wird dabei direkt angesprochen und irgendwie aufgefordert, sich nun selbst Gedanken zu machen.

 

Liebe Film AG, gerade weil euer Beitrag nicht versucht, toternste Vorschläge zu machen, ist er zu einem tollen Werk geworden.

Herzlichen Glückwunsch.

   
© AK Prävention